Deutschlands Chefinnen halten Einführung einer Frauenquote für hilfreich
22. März 2010
Pressemitteilung
22. März 2010
Deutschlands Chefinnen halten Einführung einer Frauenquote für hilfreich
Exklusive Befragung der 49 führenden Managerinnen in Deutschland: Gesetzliche Regelung ist temporär der einzige Weg, um den Frauenanteil in deutschen Führungsgremien zu erhöhen
Die internationale Personalberatung Odgers Berndtson hat eine aktuelle Studie über die amtierenden Frauen in Top-Führungspositionen deutscher Großunternehmen durchgeführt. Im Rahmen der Studie wurden erstmals die 49 Managerinnen persönlich befragt, die in einem der 500 umsatzstärksten Unternehmen in Deutschland eine Vorstands- oder Geschäftsführungsposition inne haben. Ziel der Studie war es, konkrete Handlungsempfehlungen für Unternehmen, Politik und die weiblichen Führungskräfte selbst aufzuzeigen.
In der Führung der 500 größten Unternehmen in Deutschland befinden sich nur 49 Frauen. Dies entspricht 2,4 % aller Vorstands- und Geschäftsführungspositionen in den Unternehmen. 44 % der Top-Managerinnen befürworten die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote. Die übrigen Frauen sehen zwar die Gefahr, als Quotenfrau abqualifiziert zu werden. Dennoch räumen alle Befragten ein, dass eine gesetzliche Regelung eine Appellfunktion hätte und zumindest temporär hilfreich wäre, um den Frauenanteil in deutschen Führungsgremien spürbar zu erhöhen.
Weibliche Top-Führungskräfte sind für deutsche Unternehmen unverzichtbar
„Es muss im Interesse eines jeden Unternehmens liegen, ein möglichst heterogenes oberstes Führungsgremium zu installieren, da die positiven Auswirkungen auf Betriebsklima, Mitarbeiterbindung, Image und nicht zuletzt auch auf die Unternehmensergebnisse inzwischen vielfach belegt sind“, kommentiert Gabriele Stahl, Partner bei Odgers Berndtson und Leiterin der Studie. „Insofern ist die freiwillige Selbstverpflichtung, die sich einige Großunternehmen mit der Einführung einer konkreten Frauenquote aktuell auferlegt haben, sehr zu begrüßen,“ so Stahl weiter.
Karriereschritt ins Top-Management am schwierigsten
Im mittleren Management großer deutscher Unternehmen sind inzwischen zunehmend mehr Frauen vertreten. Ins oberste Führungsgremium schaffen es jedoch nur vergleichsweise wenige von ihnen. So empfanden 50 % der Befragten den letzten Karriereschritt ins Top-Management als schwieriger im Vergleich zu den vorherigen. 47 % der Frauen fühlten sich bei ihrem Aufstieg in die oberste Managementebene vor allem von Vorurteilen gegenüber weiblichen Führungskräften und mangelnder Chancengleichheit gebremst. Diesen Karrierehemmnissen sind Deutschlands Chefinnen vor allem mit Beharrlichkeit und herausragenden Leistungen begegnet. „Unsere Befragung hat gezeigt, dass nicht nur Unternehmen und Politik gefordert sind, sondern dass karrierewillige Frauen selbst konsequent und selbstbewusst aktiv werden müssen, um es an die Unternehmensspitze zu schaffen“, erläutert Beraterin Stahl.
Frauen müssen besser netzwerken
34 % führten mangelnde berufliche Netzwerke als Karrierehemmnis an. Die Mehrheit der Teilnehmerinnen hält die existierenden Netzwerke für unzureichend auf weibliche Bedürfnisse zugeschnitten. Gleichzeitig räumen sie jedoch ein, dass es den meisten Frauen schwer fällt, ihre beruflichen Netzwerke gezielt für die eigene Karriere zu nutzen. Sie empfinden dies als Vetternwirtschaft, wollen es stattdessen durch eigene Leistung ins Top-Management schaffen. Nach Ansicht von Deutschlands Chefinnen müssen sich Frauen von diesen Vorbehalten lösen und sich stärker in die bestehenden – gemischt geschlechtlichen – Netzwerke integrieren.
Familie ist kein Karrierekiller
Die viel diskutierte Vereinbarkeit von Familie und Berufsleben wurde als Karrierehemmnis überraschender Weise sehr selten genannt. Keine der befragten Frauen bezeichnete Karriereunterbrechungen durch Mutterschutzzeiten, Probleme bei der Kinderbetreuung bzw. unflexible Arbeitszeiten als eine wesentliche Hürde. Dabei sind 81 % der Chefinnen verheiratet oder leben in einer festen Lebensgemeinschaft, 44 % der Frauen haben Kinder. Das Problem, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, ist zwar vorhanden, wird von den Karrierefrauen jedoch durch intelligente Organisation beherrscht.
Berufstätige Frauen müssen in Deutschland selbstverständlich sein
Deutschlands Chefinnen fordern von der Gesellschaft darüber hinaus eine stärkere moralische Unterstützung und positive Bewertung berufstätiger Frauen. Berufstätige Mütter dürfen ihrer Meinung nach nicht mehr als Ausnahme angesehen werden, sondern als Selbstverständlichkeit. Gabriele Stahl ergänzt: „Nicht zuletzt wird auch der demografisch bedingte Mangel an Führungskräften verschärft zeigen, dass deutsche Unternehmen es sich nicht mehr leisten können, auf qualifizierte und erfahrene Managerinnen zu verzichten, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben wollen.“
Methodik
Befragt wurden Frauen, die in einem der 500 umsatzstärksten Unternehmen, in einer der nach Bilanzsumme 30 größten Banken sowie in einer der nach Prämieneinnahmen zehn größten Versicherungen in Deutschland eine Vorstands- oder Geschäftsführungsposition inne haben. Als Datengrundlage diente die Hoppenstedt Firmendatenbank mit Stand Juni 2009. Die persönliche Befragung der Managerinnen wurde auf Basis eines strukturierten Fragebogens im Herbst 2009 durchgeführt.
Die vollständigen Ergebnisse finden Sie in der aktuellen Studie „Deutschlands Chefinnen – Wie Frauen es an die Unternehmensspitze schaffen“.
Klicken Sie auf das Bild um die PDF Version der Studie in voller Länge herunterzuladen.
oder fordern Sie die Studie kostenfrei an unter: presse@odgersberndtson.de
Bildmaterial stellen wir Ihnen auf Wunsch gerne zur Verfügung.
Pressekontakt:
Kathrin Lochmüller
Odgers Berndtson Unternehmensberatung GmbH
Olof-Palme-Straße 15, 60393 Frankfurt
Telefon 069/95777-555, Fax 069/95777-556
Mobil 0172/9998053
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